Aktüel Dünya

Debatte Biologie Darwin – HH Materialismus Wochenende

Guten Tag, das Netzwerk des Akdiamat führt am 10.9-11.9 ein Materialismus Wochenende in Hamburg durch.  

Wir laden Sie ein: Nehmen Sie teil und besuchen Sie die Grundlagen-Einführung am Freitag – Spätnachmittag 17:00 Uhr: Die Erklugung zum Wochenende mit Dacain Bugnar                                                                     Was ist Materialismus heute?

Die Doktrin des Materialismus ist eine der
kontroversesten in der Geschichte der Ideen.

Das Problem womit man konfrontiert wird, ist, dass es atemberaubend unklar ist,  

Stichworte: Humanismus, Natur, Evolution, Geschichte-die Starken/ die Schwachen in der Gesellschaft

Wie können Sie vorgehen: Melden Sie sich an post@akdiamat.de, bezahlen Sie auf das 10 Euro für Verdiener und 5 Euro für Jugendliche & Studenten, Schüler auf Name Akdiamat e.V , IBAN: DE47 8306 5408 0004 241010 und kommen Sie nach Hamburg Alexander Str. 16
( Zoom Möglichkeit Fragen Sie ob ein ZOOM- Link bereit steht)

Prof Richard Sorg schreibt zu Materialismus in der Biologie

zur Frage des Materialismus in der Biologie gibt es in der heutigen Jungen Welt (28./29.8.21) ein interessantes Interview, das Martin Dolzer in der Rubrick „Faulheit und Arbeit“ mit Patrick Tort, dem Direktor des „Internationalen Charles Darwin Instituts“ in Frankreich führte, und zwar u.a. zum Thema ‚Sozialdarwinismus‘, das auch bei Marx und Engels debattiert wurde.

Hier vertritt Tort die These, dass Marx und Engels bei aller Wertschätzung für Darwin eine irrige Auffassung über Darwins vermeintlichen „Sozialdarwinismus“ hatten, eine Spielart der sozial reaktionären Auffassungen von Malthus und den Malthusianern, ein Konzept, das bis heute von manchen bürgerlichen Biologen als ideologische Begründung für angebliche ‚natürliche‘ oder ‚materielle‘ Grundlagen eines rein egoistischen, unsozialen ‚menschlichen Wesens‘ dient. Diese unzutreffende Auffassung der Darwinschen Position rühre daher, dass Marx und Engels nur Darwins 1859 erschienene Arbeit „Die Entstehung der Arten“ kannten, nicht aber das spätere Werk Darwins „Die Abstammung des Menschen“ von 1871. In letzterem aber, dem 21. Kapitel, schreibe z.B. Darwin: »So bedeutungsvoll der Kampf um die Existenz gewesen ist und noch ist, so sind doch, soweit der höchste Teil der menschlichen Natur in Betracht kommt, andere Kräfte noch bedeutungsvoller; denn die moralischen Eigenschaften sind entweder direkt oder indirekt viel mehr durch die Wirkung der Gewohnheit, die Kraft der Überlegung, Unterricht, Religion usw. fortgeschritten, als durch natürliche Auswahl, obschon dieser letzteren Kraft die sozialen Instinkte, welche die Grundlage für die Entwickelung des moralischen Gefühls dargeboten haben, ruhig zugeschrieben werden können.« (In: »Die Abstammung des Menschen«, XXI. Kapitel: »Allgemeine Zusammenfassung und Schluss«, jW). Hier betone Darwin auch die Evolution der ‚sozialen Instinkte‘, also das gesellschaftliche Verhalten, wie der gegenseitigen Hilfe und Unterstützung, der Moral etc. In seinem Buch „Was ist Materialismus?“ führt Tort diesen Gedanken offenbar genauer aus. Demnach sei die reaktionäre Vereinnahmung Darwins durch die Sozialdarwinismus-Vertreter nicht haltbar.

Das scheint mir ein interessanter Beitrag zu sein für ein wissenschaftliches Materialismus-Konzept auch in der Biologie, womit man sich genauer beschäftigen sollte.

Ich fände es gut, diesen Hinweis zusammen mit dem zwei Seiten umfassenden Interview mit Tort in der jw als Vorbereitung für die Materialismus-Debatte zu verschicken.

Gruß, Richard

In Ihrem Patrick Tort  monumentalen Werk »Was ist Materialismus?« 

https://www.humanite.fr/patrick-tort-penser-le-materialisme-615784

https://livre.fnac.com/a9662508/Patrick-Tort-Qu-est-ce-que-le-materialisme

https://www.cairn.info/darwin-n-est-pas-celui-qu-on-croit–9782846703383-page-69.htm

 

weisen Sie auf die Möglichkeit eines kohärenten Materialismus zwischen den biologischen Wissenschaften und den Humanwissenschaften hin. Bitte erklären Sie das.

Der Materialismus, von dem ich spreche, ist die Frucht einer offensichtlichen Tatsache: Es kann keinen magischen Bruch zwischen Natur, also der Evolution, und Zivilisation, also der Geschichte, geben. Es kann also auch keinen magischen Bruch zwischen Evolution und Geschichte geben. Daraus folgt, dass die Geschichte nicht das ist, was der Evolution folgt, und dass in Wirklichkeit die Evolution die Geschichte überdeckt, die gleichzeitig die primitive Evolution – Eliminierung der Schwachen – in einen zivilisatorischen Fortschritt – Schutz der Schwachen – umwandelt, obwohl diese evolutionäre Tendenz oft von Episoden des Wiederauflebens von Barbarei durchkreuzt wird.

Wir sprechen darüber, was Materialismus ist, 

mit Dacain Bugnar am 10.9. 2021 in Hamburg, HAW, Alexander Str. 16. , Einlass 17:00 Uhr
Wir laden Sie zu diesem Gesprächsabend ein.

Hier der jw-Text mit dem Tort-Interview:   Martin Dolzer Evolutionsbiologie, junge Welt vom 28.08.2021

»Darwin verteidigte alle Maßnahmen zur Unterstützung der Schwachen«

Über alternative Anschauungen zum Werk des Naturforschers, Missverständnisse und dessen Fehlinterpretationen.Ein Gespräch mit Patrick Tort

Sie beschäftigen sich seit den 1980er Jahren mit Charles Darwins Werk (britischer Naturforscher, 1809–1882, jW). Besonderen Fokus legen Sie auf das Buch »Die Abstammung des Menschen«, das gegen Ende seines Lebens entstand. Dieser grundlegende Text ist immer noch wenig bekannt und vor allem wenig gelesen. Sie heben Darwins Beschreibung eines »Umkehreffekts der Evolution« in der menschlichen Zivilisation hervor, die im völligen Widerspruch zu den sogenannten sozialdarwinistischen Interpretationen steht. Können Sie erklären, worum es dabei geht?

Ein einziger Satz am Ende von »Die Abstammung des Menschen« aus dem Jahr 1871 könnte ausreichen, um die Existenz und logische Notwendigkeit des Konzepts eines Umkehreffekts der Evolution bei Darwin zu belegen: »So bedeutungsvoll der Kampf um die Existenz gewesen ist und noch ist, so sind doch, soweit der höchste Teil der menschlichen Natur in Betracht kommt, andere Kräfte noch bedeutungsvoller; denn die moralischen Eigenschaften sind entweder direkt oder indirekt viel mehr durch die Wirkung der Gewohnheit, die Kraft der Überlegung, Unterricht, Religion usw. fortgeschritten, als durch natürliche Auswahl, obschon dieser letzteren Kraft die sozialen In­stinkte, welche die Grundlage für die Entwickelung des moralischen Gefühls dargeboten haben, ruhig zugeschrieben werden können.« (In »Die Abstammung des Menschen«, XXI. Kapitel: »Allgemeine Zusammenfassung und Schluss«, jW)

Diesen Abschnitt sollte man nicht isoliert betrachten. Er ist Teil einer kohärenten Konstruktion, die im wesentlichen im Laufe der Kapitel III, IV, V und XXI des Buches aufgebaut wird und die den Übergang zwischen der Aussortierung der am wenigsten Fähigen durch den Selektionsmechanismus und ihrer Sicherung durch die Zivilisation zu erklären versucht.

Was Darwin lehrt, ist, dass die natürliche Auslese sich bei einem in einer Gruppe lebenden Menschen wie bei allen Tieren nicht darauf beschränkt hat, einfache organische Variationen zu selektieren, die für seine körperliche Anpassung/Perfektionierung günstig sind, sondern auch Instinkte selektiert hat, von denen einige, die sogenannten sozialen Instinkte, Verhaltensweisen entwickeln, die in der und für die Gemeinschaft, in der er lebt, vorteilhaft sind. In der Logik der Selektionstheorie beweist die universelle Existenz der sozialen Lebensform innerhalb der menschlichen Spezies, dass es diese Lebensform ist, die sich als vorteilhaft für ihr Überleben und ihre Vervollkommnung erwiesen hat. Die Geschichte der Menschheit zeigt, dass sich diese Lebensweise parallel zum Wachstum der Rationalität entwickelt und sich mit ihr auf immer komplexere Weise verbindet, wenn sich das sozial-intellektuelle Band von Bildung ausweitet.

Nun stehen die sozialen Instinkte, von denen Darwin unmissverständlich andeutet, dass auch sie zunächst durch das Spiel der natürlichen Auslese entstanden sind – ebenso wie das Gefühl der Sympathie, das ihre bedeutendste psychosoziale Konsequenz ist – im Zuge ihrer Verfestigung, wie der Zustand der Zivilisation zeigt, der Verewigung des ausschließlichen Triumphs des »Stärkeren« im Kampf ums Dasein innerhalb der menschlichen Gesellschaften entgegen: Die konsolidierte evolutionäre Verflechtung von sozialen Instinkten und gemeinsam selektierten rationalen Fähigkeiten sorgt Darwin zufolge innerhalb der »zivilisierten« Menschheit für die Hegemonie altruistischer und unterstützender Verhaltensweisen und wirkt so den Effekten der Disqualifizierung oder Eliminierung der »weniger Geeigneten« entgegen, die das Funktionieren der Selektion in archaischen Zeiten charakterisierten.

Das heißt also, Darwin geht hier eher davon aus, dass der Mensch des Menschen Freund und nicht sein Konkurrent ist?

In dem Maße, wie sich der Einfluss der sozialen Instinkte, die Kraft der Sympathie wie der Empathie und die Aktivität der rationalen Fähigkeiten unter dem Einfluss der natürlichen Auslese ausweiten, befindet sich der Selektionsmechanismus selbst in einem Prozess des Niedergangs. Das ist leicht zu verstehen, wenn man bedenkt, dass die Zivilisation, die aus dieser evolutionären Tendenz resultiert, die Umwelt soweit vermenschlicht, dass der Mensch immer weniger das Bedürfnis hat, die Intensität seines Überlebenskampfes aufrechtzuerhalten, um zu überleben. Diese von Darwin und Alfred Russel Wallace (ebenfalls britischer Naturforscher, 1823–1913, jW) geteilte Idee ist von entscheidender Bedeutung, denn sie impliziert die Obsoleszenz – das heißt den Abstieg durch zunehmende Nutzlosigkeit – der angestammten Funktionsweise der natürlichen Selektion zugunsten abgeschwächter Formen wie Wetteifern und Wettbewerb um Werte, die für die Verbesserung der Gruppe nützlich bleiben, die durch ihre Solidarität und nicht mehr durch den reproduktiven Ausschluss der »weniger Geeigneten« gestärkt wird.

Also Solidarität statt Auslese als Grundprinzip des Zusammenlebens?

Da die gewaltige, selbstgewählte Zunahme der rationalen Autonomie der zivilisierten Menschheit eine Innovationskraft sichert, für die es kein vorheriges Äquivalent in der Natur gibt, muss die menschliche Evolution in theoretischen Begriffen gedacht werden, die zwei Begriffsfamilien miteinander verbinden: Begriffe, die aus der allgemeinen Theorie der Evolution der Lebewesen abgeleitet sind, und Begriffe, die aus der historischen Analyse menschlicher Gesellschaften stammen. Dieses neue theoretische Universum muss erst noch entwickelt werden.

Sie sagen, dass Marx, der in den frühen 1860er Jahren nur Darwins Buch »Über die Entstehung der Arten« gelesen hatte und nicht auch »Die Abstammung des Menschen« (1871) lesen konnte, deshalb nur ein teilweises Verständnis von Darwins Werk hatte, insbesondere in bezug auf anthropologische Fragen. Im weiteren Sinne sprechen Sie von einer gescheiterten Begegnung zwischen dem Marxismus und Darwins Werk. Wo denken Sie, liegen die Gründe dafür?

Engels las »Über die Entstehung der Arten« in Manchester, sobald es in der englischen Ausgabe erschienen war. Am 11. oder 12. Dezember 1859 schrieb er einen Brief an Marx, in dem er seine Begeisterung für Darwins Zerstörung der Teleologie und seinen Nachweis der Existenz einer »historischen Entwicklung in der Natur« zum Ausdruck brachte. Dieser Gedankenaustausch setzte sich ein Jahr später in zwei brieflichen Äußerungen von Marx fort, die sehr aufschlussreich in bezug auf seinen Ansatz sind: Am 19. Dezember 1860 schrieb Marx an Engels bezüglich »Über die Entstehung der Arten« (Darwins Buch über »natürliche Selektion«, jW), obwohl er den Stil des Werkes bedauere, »ist dies das Buch, das die naturhistorische Grundlage für unsere Ansicht enthält«. In einem Brief an Lassalle vom 16. Januar 1861 bestätigte Marx das in besonders präziser Weise: »Sehr bedeutend ist Darwins Schrift und passt mir als naturwissenschaftliche Grundlage des geschichtlichen Klassenkampfes. Die grob englische Manier der Darlegung muss man natürlich mit in Kauf nehmen.«

Soweit ist alles einfach: Darwins Evolutionsbiologie als Naturgeschichte ist das materialistische Fundament, auf dem das Marxsche und Engelssche Gebäude der Sozialgeschichte des Menschen ruht, in dem der historische Kampf der Klassen an die Stelle des biologischen Kampfes ums Dasein tritt.

Doch die mit der Entdeckung eines materialistischen Erklärungsprinzips der gesamten Naturgeschichte als Prozess der Verwandlungen der Lebewesen und als kohärente materielle Grundlage des historischen Materialismus verbundene positive Sichtweise weicht, wahrscheinlich wegen des rasanten Aufstiegs des »Sozialdarwinismus« in Deutschland und weltweit sowie Marx’ persönlichem Konflikt mit Carl Vogt, dem Darwinisten und Geheimagenten Napoleons III., recht schnell anderen Überlegungen. In einem Brief an Engels vom 18. Juni 1862, dessen Einfluss leider beträchtlich geworden ist, schreibt Marx: »Es ist merkwürdig, wie Darwin unter Tieren und Pflanzen seine englische Gesellschaft mit ihrer Teilung der Arbeit, Konkurrenz, der Erschließung neuer Märkte, ›Erfindungen‹ und Malthusschem ›Kampf ums Dasein‹ wiedererkennt. Es ist Hobbes ›bellum omnium contra omnes‹, und es erinnert an Hegel in der ›Phänomenologie‹, wo die bürgerliche Gesellschaft als ›geistiges Tierreich‹, während bei Darwin das Tierreich als bürgerliche Gesellschaft figuriert.«

Ist es denn so, dass Darwin mit seiner Theorie von der eliminatorischen natürlichen Selektion einfach ein Interpretationsschema auf die Natur »angewandt« hat, das von der rücksichtslosen Dynamik abgeleitet wurde, die in der englischen Gesellschaft von Malthus und dann von den viktorianischen Liberalen so skizziert wurde, um im Gegenzug zu folgern, dass dieses Prinzip natürlich sei?

Obwohl er bereits 1865 F. A. Langes Verwechslung von Darwin und den Malthusianern verurteilt hatte, und obwohl er weiterhin zutiefst daran hing, Darwins Materialismus und seine historische Naturauffassung gegen Dührings »Aufklärungen« zu verteidigen, äußerte sich Engels seinerseits in der polemischen Arbeit, die er 1878 veröffentlichte, um jede Diskussion mit letzterem zu beenden, noch einmal zu dem, was er für Darwins malthusianischen Irrtum oder zumindest für seinen Fehler hielt. Demgegenüber hatte sich Darwin in der Schlussfolgerung von »Die Abstammung des Menschen« allerdings klar gegen die malthusianischen Empfehlungen ausgesprochen: »Es darf daher unsere natürliche Vermehrung, obschon sie zu vielen und offenbaren Übeln führt, nicht durch irgendwelche Mittel bedeutend verringert werden. Es muss für alle Menschen offene Konkurrenz bestehen, und es dürfen die Fähigsten nicht durch Gesetze oder Gebräuche daran gehindert werden, den größten Erfolg zu haben und die größte Zahl von Nachkommen aufzuziehen.«

Ein liberaler Darwin?

Ja, aber ein fortschrittlicher und interventionistischer Liberaler, im Gegensatz zu Spencers individualistischem »Laissez-faire« und im Gegensatz zu dem, was man ab 1880 leider »Sozialdarwinismus« nannte, denn er verteidigte alle Maßnahmen zur Unterstützung der Schwachen und Armen im Namen des Fortschritts der Gerechtigkeit und der moralischen Errungenschaften der Zivilisation. Bei seiner Rückkehr nach England im Jahr 1836, nach seiner berühmten Reise, hatte er mit einiger Enttäuschung gesehen, dass seine geliebten »Whigs« (eine Gruppe von Parlamentariern, die sich später zur Liberalen Partei/Liberal Party entwickelte, jW), die er für ihren Kampf gegen die Sklaverei liebte und die gerade Malthus »wiederentdeckt« hatten, kein Mitgefühl für das soziale Elend in ihrem eigenen Land hatten. In ­Downe, in seinem Dorf in Kent, hatte Darwin gegen die Doktrin der Neo-Malthusianer und den Egoismus der extremen Liberalen (1852) den Downe Friendly Club mitbegründet, einen Verein zur Unterstützung der Unterprivilegierten und zur Volksbildung, dessen Schatzmeister und Wohltäter er bis zu seinem Tod war.

In Ihrem monumentalen Werk »Was ist Materialismus?« weisen Sie auf die Möglichkeit eines kohärenten Materialismus zwischen den biologischen Wissenschaften und den Humanwissenschaften hin. Bitte erklären Sie das.

Der Umkehreffekt der Evolution lässt sich in einer vereinfachten Formel zusammenfassen, die inzwischen gut bekannt ist: »Durch soziale Instinkte selektiert die natürliche Selektion die Zivilisation, die sich der natürlichen Selektion entgegenstellt.« Es erlaubt uns also zu denken, dass die Zivilisation – dargestellt als friedlich, intelligent, altruistisch, unterstützend und beschützend – auf einer Umkehrung der Natur – dargestellt als primitiv, kriegerisch, egoistisch, bestialisch und eliminierend – beruht. Aber diese Umkehrung ist ungebrochen, was genau die Konsequenz von Darwins phylogenetischer Kontinuität ist – es gibt keinen Bruch in der Abstammung eines aktuellen Lebewesens. Dies impliziert sicherlich einen verallgemeinerten moralischen Fortschritt, aber auch das Überleben des Archaischen und die episodische Wiederkehr der »Bestialität« im Laufe der Geschichte der Zivilisationen.

Der Materialismus, von dem ich spreche, ist die Frucht einer offensichtlichen Tatsache: Es kann keinen magischen Bruch zwischen Natur, also der Evolution, und Zivilisation, also der Geschichte, geben. Es kann also auch keinen magischen Bruch zwischen Evolution und Geschichte geben. Daraus folgt, dass die Geschichte nicht das ist, was der Evolution folgt, und dass in Wirklichkeit die Evolution die Geschichte überdeckt, die gleichzeitig die primitive Evolution – Eliminierung der Schwachen – in einen zivilisatorischen Fortschritt – Schutz der Schwachen – umwandelt, obwohl diese evolutionäre Tendenz oft von Episoden des Wiederauflebens von Barbarei durchkreuzt wird. Die Zivilisation hat also die Macht, die Natur umzustürzen, aber niemals die, mit ihr zu brechen. In ähnlicher Weise haben alle positiven sozialen Qualitäten – Affektivität, Hingabe, Heldentum, Fähigkeit zur Selbstaufopferung – natürliche Vorstufen, die durch das Studium der sexuellen Selektion und ihrer ethnologischen und psychologischen Konsequenzen offenbart werden. Es ist diese immense Frage nach dem Ursprung der Moral, mit der sich mein Buch »Théorie du sacrifice« (Theorie des Opferns, jW) beschäftigt. »L’Intelligence des limites« (Die Intelligenz der Begrenzung, jW) untersucht seinerseits die biologische Geburt des Symbolischen.

Gibt es andere Wissenschaftler, die eine ähnliche Lesart von Darwins Werk haben wie Sie?

Zu der Zeit, als ich in Frankreich anfing, über Darwin zu sprechen, hatten die gelehrtesten Biologen und Naturforscher, von sehr seltenen Ausnahmen abgesehen, bestenfalls drei oder vier Kapitel von »Die Abstammung des Menschen« gelesen. Diejenigen, die die Texte etwas ernster gelesen hatten, haben »Die Abstammung des Menschen« meiner Meinung nicht richtig interpretiert oder gar missverstanden, da sie den Text als ideologisches Werk betrachteten. Daher entschied ich mich, das gesamte Werk Darwins in Form einer großen wissenschaftlichen Ausgabe in 35 Bänden sorgfältig zu übersetzen. Dieses Projekt wurde von Slatkine in Genf begonnen und wird nun von Honoré Champion (deren Pariser Niederlassung, jW) weitergeführt. Seit einigen Jahren ist das Konzept des Umkehreffekts der Evolution Teil des Unterrichts in Frankreich und in die Darstellung der darwinschen Anthropologie integriert.

Was für einen Effekt könnte eine breitere Rezeption Ihrer Anschauung in bezug auf das gesellschaftliche Leben haben?

Ich würde sagen, in darwinistischen Begriffen, die Erweiterung des Mitgefühls, ein verstärkter Schutz der Schwächeren und die unendlich erweiterte Anerkennung des anderen als Mitmensch. Und auf einer anderen Ebene das Verständnis dessen, was bei Darwin die Grundlage der wissenschaftlichen Ökologie ausmacht.

Planen Sie, Ihre Arbeit ins Deutsche zu übersetzen?

Das kann nur passieren, wenn Verlage sich dafür interessieren. Ich für meinen Teil kann meine Werke dafür gerne zur Verfügung stellen.

Dacain Bugnar meint am 10. September in Hamburg um 17:00 Uhr zu    

                                                  Was ist Materialismus heute?

Die Doktrin des Materialismus ist eine der kontroversesten in der Geschichte der Ideen.

Das Problem womit man konfrontiert wird, ist, dass es atemberaubend unklar ist,  

                        Was die These des Materialismus genau besagt.

Ist es eine ontologische, eine linguistische oder epistemologische These?
Ist der Materialismus eine a priori oder a posteriori Doktrin?

                                                Was ist Materialismus ?

Grundfrage der Philosophie: Friedrich Engels verweist darauf, dass es ein Problem gibt, von dessen Lösung jede andere philosophische Entscheidung abhängt:

“Die große Grundfrage aller, speziell neueren Philosophie ist die nach dem Verhältnis von Denken und Sein …, des Geistes zur Natur … Die Frage:

Was ist das Ursprüngliche, der Geist oder die Natur? …Die Materie …..
Je nachdem diese Frage so oder so beantwortet wurde, spalteten sich die Philosophen in zwei große Lager.

Diejenigen, die die Ursprünglichkeit des Geiste gegenüber der Natur behaupteten, also in letzter Instanz eine Weltschöpfung irgendeiner Art annahmen … bildeten das Lager des Idealismus.
Die anderen, die die Natur als das Ursprüngliche ansehen, gehören zu den verschiedenen Schulen des Materialismus.’1

(Friedrich Engels, “Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie”, Berlin 1946, S. 15/17)

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Besuchen Sie die Seminare des Netzwerkes Akdiamat- Wir sind sehr an der aktiven Verbreitung von Wissen zum dialektischen & historischen Materialismus in den Traditionen von Lenin, Engels, Marx, interessiert.

Gestalten Sie mit Ihren Ideen und ihrer Kritik die Verbreitung und Auseinandersetzung zur Dialektik & zum Materialismus, mit uns zusammen

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Am 4.September findet eine Zoom- Vorbereitung der Materialismus Seminare des Akdiamat statt. Bitte melden.

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  1. September mit Helmut Dunkhase Historischer Materialismus konkret: 

Wir funktionieren Gesellschaften und wie verändern Menschen 

durch Arbeit ihre Gesellschaft? 

Wie findet die Gesellschaftsveränderung statt? 

Helmut Dunkhase versucht die Antwort zu geben

Hamburg, HAW – Alexander Str. 16 , Einlass 10:00 Uhr

Stichworte: Historischer Materialismus, Technologie, Klassen, Gesellschaftsformation, Wandel von Gesellschaften in Raum & Zeit, 

Ende der Warenproduktion , Freiheit vom Bürger-Privateigentum

 

“Geschichte der menschlichen Arbeit von der Vorgeschichte bis zur modernen Zeit” lautet der Untertitel des Buches „How the World Works“ von Paul Cockshott aus dem Jahr 2020.

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Wir wollen das Zukunftsthema Dialektik Mensch- Arbeit/ Mittel- Biosphäre mit einem Lektürekurs fortsetzen.

 

Haben Sie an der Teilnahme möglicherweise Interesse?

 

Anmeldung: post@akdiamat.de

 

Mitglieder des Akdiamat- Netzwerkes reisen oft vier-fünf Stunden nach Hamburg.

Wäre das ein Vorbild für einen Besuch beim Akdiamat am Materialismus Wochenende?

Wo sonst werden in angenehmer Gesprächsumgebung kontroverse Themen besprochen?

Alles kostet Zeit, Geld und ist mit viel Aufwand verbunden

Unsere Seminare sind diesen Aufwand, die Reise nach HH und die Ausgabe von diesem Geld wert.

Bitte mit der Anmeldung für jedes Seminar bezahlen

10 Euro für Verdiener und 5 Euro für Jugendliche & Studenten, Schüler

Name Akdiamat e.V , IBAN: DE47 8306 5408 0004 241010

Manche Seminare sind Zoom- Seminare. Fragen Sie ob ein ZOOM- Link bereit steht

Wir helfen bei der technischen Durchführung

 

Anmeldung:post@akdiamat.de

Weitere Informationen zum Akdiamat

Sie finden Informationen zum akdiamat unter http://akdiamat.xobor.de/

Eine  webseite :https://www.akdiamat.de

Die Rapoport- Gesellschaft : https://www.rapoport-gesellschaft.org

 

Hygiene- Risiko- Vermeidung

Wir wünschen eine persönliche Zweifach Impfung bis 10. September ( 2G) und erwarten ein entsprechendes Zertifikat per App oder Dokument.

Wir praktizieren Anmeldung Nachverfolgung und die nötige Hygiene.

Wir sind an die Anforderungen der Sondergenehmigung der Hochschule gebunden

 

Viele Grüße

 

Ulrich Fritsche

unsereweltclub

Postfach 730510
22125 Hamburg

Email:unsereweltclub@gmail.com

„Bildet euch, denn wir brauchen all eure Klugheit. 

Bewegt euch, denn wir brauchen eure ganze Begeisterung. 

Organisiert euch, denn wir brauchen eure ganze Kraft.“  Antonio Gramsci

Wir sind ein parteiunabhängiger, nicht- kommerzieller Gesprächskreis der Emails ausschließlich zu seiner eigenen Werbung versendet. Wer in Zukunft keine Emails mehr erhalten möchte, sende bitte eine Email.

Wir respektieren die Privatsphäre und Daten anderer Menschen und treiben damit keinen Daten-Missbrauch.

 

EB / Aktüelsanat

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